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Bohranlage, hier zur Sonderbehandlung eingesetzt
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Für den Aufbau einer geologischen Industrie in
der DDR, die vor allem wichtige Rohstoffe wie Kohle und Erze sowie Erdöl und
Erdgas erkunden sollte, wurde wegen seiner zentralen und verkehrsgünstigen
Lage 1951 Gommern als Standort für den technischen Ausrüstungsbetrieb der
Staatlichen Geologischen Kommission ausgewählt. Dieses Zentrale Reparatur-
und Ausrüstungswerk (ZRAW) wurde 1951-1953 nach modernsten Gesichtspunkten
auf einer Fläche von 40 ha mit Werk- und Lagerhallen, Heizwerk, Gleisanlagen
sowie Büro-, Labor- und Sozialgebäuden errichtet. Gleichzeitig mit dem Zuzug
von Arbeitskräften, zuerst vom Schachtbau Nordhausen und dem
Kupferschieferbergbau Mansfeld, später insbesondere von der Wismut
(Uranerzbergbau) begann der Bau der ersten Wohnblöcke in der Nähe des
Werkes. Die beiden Schornsteine des Heizkraftwerkes von 65 und 62 m Höhe
sowie die 1963 für Forschungs- und Ausbildungszwecke errichtete Bohranlage
vom Typ 5D-Uralmasch bestimmten jahrelang die Silhouette der Stadt Gommern.
Der wachsende Energiebedarf der Wirtschaft machte Ende der 50er Jahre eine
intensive Suche und Erkundung von Erdöl und Erdgas erforderlich. So wurde
aus dem VEB Geologische Erkundung 1957 der VEB Erdöl-Erdgas Gommern
ausgegliedert, der später erst zu einem Kombinat, dann zu einer Vereinigung
Volkseigener Betriebe (VVB) umgewandelt wurde. Gommern wurde dabei Sitz der
Zentrale sowie des VEB Zentralen Reparatur- und Ausrüstungsbetriebes (ZRAW),
des VEB Bohrlochzementierung (BLZ), des VEB Bohrlochmessung (BLM) und des
Forschungsinstitutes für die Erkundung und Förderung von Erdöl und Erdgas (FIEE).
Ende der 50er Jahre begann eine intensive Erkundung und Suche von
Lagerstätten mittels Geophysik und Bohrungen vor allem im Thüringer Becken
und im Nordteil der damaligen DDR. Spezielle Erkundungsbetriebe wurden
gebildet in Gotha für Thüringen, in Ludwigslust (später Stendal) für die
Altmark und das Harzvorland, in Grimmen für Mecklenburg-Vorpommern und in
Mittenwalde südlich von Berlin für Ostbrandenburg und die Lausitz. Dazu kam
ein Betrieb für die Errichtung von Untergrundgasspeichern (UGS), der erst in
Burg, später in Stendal und zuletzt in Mittenwalde angesiedelt war. Mit dem
Nachweis der bedeutenden Erdöllagerstätten Reinkenhagen, Grimmen und Lütow
im Norden wurde der Aufbau eines Förderbetriebes in Reinkenhagen notwendig,
ebenso wie in Salzwedel nach Aufschluß der Erdgaslagerstätte
Salzwedel-Peckensen. Insgesamt waren zeitweise ca. 6 500 Beschäftigte in der
Erdöl-Erdgas-Industrie tätig. |
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Erdgassonde mit Eruptionskreuz |
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Die Erkundungs- und Förderarbeiten erfolgten mit
ständiger Unterstützung von Fachleuten aus der damaligen UdSSR, die
zeitweilig in der DDR arbeiteten. Darüber hinaus gab es eine enge
wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit den sowjetischen Instituten
VNIGNI Moskau zur Höffigkeitseinschätzung des Gebietes der DDR, VNIIGaz
Moskau zur Abbauprojektierung der Erdgaslagerstätte Salzwedel sowie VNIIBT
Moskau zur Vorbereitung und Durchführung der übertiefen Bohrungen. Der
Aufschluss der Lagerstätten in der Altmark erfolgte über viele Jahre mit
gemischten deutsch-sowjetischen Bohrbrigaden. Auch mit den anderen
Ostblock-Staaten fand im Rahmen des Rates der gegenseitigen Wirtschaftshilfe
(RGW), aber auch auf bilateraler Basis seit 1960 eine enge Zusammenarbeit
statt, so mit den Erdölinstituten von Polen (Krakau), der Tschechoslowakei (Brünn),
von Ungarn (Budapest), Rumänien (Sinaia) und Bulgarien (Sofia).
Zunehmend kamen auch technische und wissenschaftliche Kräfte der DDR im
Ausland zum Einsatz, so z.B. in dem polnisch-deutsch-sowjetischen
Gemeinschaftsunternehmen Petrobaltik in Danzig zur Erkundung der Ostsee
sowie im Irak und in Mocambique.
Die komplizierten geologischen Bedingungen im Nordosten Deutschlands mit
den tiefliegenden potentiellen öl- oder gasführenden Horizonten im
Rotliegenden und Devon, die von sehr mächtigen Salzschichten des Zechsteins
überdeckt sind, erforderten das Abteufen von übertiefen Bohrungen. Deshalb
folgten umfangreiche technisch-technologische Forschungen, um die sehr
schwierigen Bohr- und Messarbeiten bei hohen Temperaturen und Drücken zu
beherrschen. Neben der Entwicklung leistungsfähiger Bohrwerkzeuge stellten
insbesondere Temperaturen von 250C und darüber, Drücke von über 1000 bar
und der negative Einfluss der durchbohrten plastischen Salzformationen hohe
Anforderungen an Bohrspülungen und Bohrlochzemente, die für diese Parameter
entwickelt werden mussten. Gleiches gilt auch für Testausrüstungen und
Bohrlochmessapparaturen. |
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Zentrale Erdgassammelstation Steinitz (Altmark) |
| Im Zeitraum von 1968 bis 1989 wurden auf dem
Gebiet der ehemaligen DDR 10 Bohrungen mit Teufen über 6.000 m
niedergebracht. Damit war die DDR seinerzeit führend auf dem Gebiet der
übertiefen Bohrungen, und hatte 1979 mit der Bohrung Mirow 1 mit einer
Endteufe von 8.008 m die damals tiefste Bohrung Europas.
Übertiefe Bohrungen in der ehemaligen DDR
| Bohrung
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Bohrbeginn
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Endteufe
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Endhorizont
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| Parchim 1
|
1968 |
7.030 m
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Karbon (Namur B) |
| Loissin 1 |
1970 |
7.105 m |
Ordovizium |
| Penkun 1 |
1971 |
6.015 m |
Perm (Rotliegendes) |
| Friedland 1 |
1971 |
6.500 m |
Perm (Rotliegendes) |
| Boizenburg 1 |
1974 |
7.012 m |
Karbon (Namur B) |
| Mirow 1 |
1974 |
8.008 m |
Perm (Rotliegendes) |
| Grevesmühlen 1 |
1978 |
6.711 m |
Perm (Rotliegendes) |
| Pröttlin 1 |
1981 |
7.008 m |
Karbon (Namur A) |
| Pudagla 1 |
1986 |
7.550 m |
Devon |
| Schwerin 1 |
1987 |
7.343 m |
Perm (Rotliegendes) |
In den höffigen Gebieten Thüringens, Südostbrandenburgs und Vorpommerns
wurden trotz anfänglicher Skepsis und mehrfacher Rückschläge einige
bedeutende Erdöllagerstätten im Zechstein erkundet und abgebaut. So
erreichte die Erdölförderung aus den Lagerstätten Lütow und Reinkenhagen in
Vorpommern sowie Döbern, Tauer, Guben und Wellmitzer Lagune in
Südostbrandenburg im Jahre 1968 ein Maximum von 325.000 t/Jahr und betrug
1994 immer noch ca. 80.000 t/Jahr.
Der größte wirtschaftliche Erfolg gelang 1968 mit dem Nachweis der
Erdgaslagerstätten im Rotliegenden der Altmark. In kürzester Zeit wurden die
Lagerstätten aufgeschlossen, und bereits 1975 erreichte die Erdgasförderung
rund 9 Mrd. m3/Jahr, was damals etwa der Hälfte des gesamten Gasbedarfs der
DDR entsprach. 1983 konnte mit einer Förderung von 12,5 Mrd. m3/Jahr ein
Maximum erreicht werden. Das relativ methanarme Gas wurde über
Sonderleitungen den Industrieabnehmern direkt zugeleitet (darunter:
Stickstoffwerk Piesteritz, Kraftwerk Magdeburg-Rothensee, Zementwerke
Bernburg u.a.).
Nach der Wende wurde das Erdöl-Erdgas-Kombinat Gommern in Einzelbetriebe
umgewandelt und privatisiert; die Erdöl Erdgas Gommern GmbH führt derzeit
als Tochter des Konzerns Gaz de France Aufgaben der Suche, Erkundung und
Produktion von Erdöl und Erdgas weiter, während weitere Betriebe wie BLZ
Geotechnik, GWU u.a. Serviceleistungen durchführen. Die Lagerstätten sind
zum Teil erschöpft oder nicht mehr rentabel zu fördern; sie sind dann
Gegenstand umweltgerechter Verwahrung durch Rückbau.
Bis Ende 1996 wurden auf dem Gebiet Ostdeutschlands folgende Mengen an
Erdöl und Erdgas gefördert:
Erdöl (in t)
| Lagerstätte
|
Fundjahr |
Förderung 1996 |
Förderung insgesamt |
| Atterwasch/Guben |
1968 |
1.262 |
59.339 |
| Breslack |
1989 |
3.372 |
94.022 |
| Fürstenwalde |
1990 |
0 |
28.602 |
| Kietz |
1987 |
0 |
8.358 |
Kirchdorf/
Mesekenhagen |
1988 |
5.064 |
73.178 |
| Lütow |
1965 |
9.578 |
1.250.879 |
| Ratzdorf |
1988 |
5.006 |
68.356 |
| Steinsdorf |
1986 |
3.865 |
63.901 |
| Wellmitz |
1980 |
1.115 |
78.108 |
Ält. Vorkommen
Mecklb./Vorpomm.,
Brandenburg |
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1.143.910 |
Ält. Vorkommen
Thüringen |
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49.353 |
Erdgas (in Mrd. m3)
| Gebiet
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Fundjahr |
Förderung 1996 |
Förderung insgesamt |
| Altmark |
ab 1968 |
3,088 |
190,796 |
| Thüringen |
ab 1932 |
0,131 |
6,689 |
| u.a. |
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